ZBB 2026, 276

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln 2199-1715 Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft ZBB 2026 AufsätzeAlexis Darányi*

Automatisierte Handelssysteme im Zusammenspiel von MiFID II und AI Act – Strukturelle Doppelregulierung oder normative Lücke?

KI-basierte Handelssysteme werden zunehmend nicht nur im Wertpapierhandel, sondern auch im Bereich der Marktinfrastruktur eingesetzt. Seit Inkrafttreten des AI Act unterfallen automatisierte Handelssysteme damit nicht nur dem sektoralen Kapitalmarktrecht (MiFID II), sondern grundsätzlich auch dieser horizontalen Regulierung der künstlichen Intelligenz. Der Beitrag zeigt, dass KI-gestützte Handelssysteme keine Hochrisiko-KI-Systeme nach dem AI Act sind, sodass die verbleibenden Pflichten das bestehende Kapitalmarktrecht nur punktuell ergänzen. Durch ihre Datenabhängigkeit, den Nicht-Determinismus der Entscheidungsfindung und die fortlaufende Modellanpassung bergen KI-basierte Handelssysteme jedoch Risiken, die deutlich über den „klassischen" algorithmischen Handel hinausgehen. Wenn bereits der Flash Crash und die Marktverwerfungen von 2020, an denen wohl noch überwiegend deterministische Handelssysteme beteiligt waren, die Fragilität automatisierter Märkte offenbarten, sollte diesen Risiken durch eine sektorspezifische Fortentwicklung des Kapitalmarktrechts begegnet werden.

Inhaltsübersicht

  • I. Einleitung und Gang der Untersuchung
  • II. Das Zusammenwirken von MiFID II und AI Act im algorithmischen Handel de lege lata
    • 1. Definitionelle Überschneidungen
    • 2. Normatives Verhältnis beider Regime
      • 2.1 Kumulative Geltung und partielle Harmonisierung
      • 2.2 Kein Anwendungsvorrang
    • 3. Organisations- und Verhaltenspflichten nach MiFID II
    • 4. Risikoklassifizierung nach dem AI Act
    • 5. Zusätzliche Pflichten des AI Act für Nicht-Hochrisiko-KI-Systeme
      • 5.1 Verbotstatbestände nach Art. 5 AI Act
      • 5.2 Transparenzpflichten nach Art. 50 AI Act
      • 5.3 KI-Kompetenz (Art. 4 AI Act)
      • 5.4 GPAI-bezogene Pflichten (Art. 53 ff. AI Act)
      • 5.5 Zwischenergebnis: Keine Doppelregulierung
  • III. KI-gestützter algorithmischer Handel de lege ferenda
    • 1. Defizite von MiFID II für den Einsatz KI-gestützter Handelssysteme
    • 2. Strukturbezogene Steuerungsinstrumente des Hochrisikoregimes des AI Act
      • 2.1 Datenabhängigkeit und Modelltraining
      • 2.2 Nicht-Determinismus und begrenzte Ex-ante-Vorhersehbarkeit
      • 2.3 Adaptivität und Modellveränderung
    • 3. Zwischenergebnis: Angemessenheit des Hochrisikoregimes
    • 4. Integrationsoptionen KI-spezifischer Anforderungen in das bestehende Aufsichtsrecht
      • 4.1 Norminterpretierende Verlautbarungen der Aufsichtsbehörden
      • 4.2 Erweiterung des Hochrisikokatalogs des AI Act
      • 4.3 Sektorale Integration in das Kapitalmarktrecht
    • 5. Zwischenergebnis: Sektorale Integration als vorzugswürdige Maßnahme
  • IV. Ergebnis und Ausblick
*
*)
Dr. iur., Rechtsanwalt und Partner bei DMR Legal in München

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